Friedens- und Versöhnungsmarsch durch das irakische Kurdistan

Aufruf des Menschenrechtszentrums Cottbus

Menschenrechtszentrum Cottbus - Pressemiteilung - 5. März 2017 - Das Menschenrechtszentrum Cottbus (MRZ) und die in Frankfurt am Main ansässige Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) rufen vom 09. bis zum 17. April dieses Jahres, d.h. vom Palmsonntag bis zum Ostermontag, zu einem ca. 130 km langen Friedens- und Versöhnungsmarsch im irakischen Kurdistan auf. Der Marsch, der schriftlich offiziell von der Regierung der Autonomen Region Kurdistan genehmigt wurde, beginnt im christlichen Teil der Hauptstadt Erbil, Ainkawa, führt in der Karwoche durch muslimisches Gebiet und endet am Ostermontag im aus dem 7. Jahrhundert stammenden Kloster Rabban Hormizd, das sich in den Bergen hinter der christlichen Stadt Alqosh befindet. Auf dem Weg zum Ziel sollen mit Aktionen an verschiedenen Orten Zeichen gesetzt werden, dass der Weg der Achtung der Menschenrechte sowie des friedlichen Zusammenlebens der ethnischen und religiösen Gruppen möglich wird.

Hintergrund der Aktion ist, dass der Krieg im Nahen Osten nicht nur Städte und vielerorts das Jahrtausende alte kulturelle Erbe der Menschheit vernichtet hat. Massive Menschenrechtsverletzungen, Minderheitenverfolgung und Genozid haben auch das Vertrauen zwischen den Menschen zerstört. „Die ethnischen und religiösen Minderheiten des Irak, besonders die Christen und Jesiden, haben auf Grund der an ihnen begangenen Verbrechen durch den IS sowie der vielfachen schlechten Erfahrungen mit der muslimischen Mehrheitsgesellschaft das Vertrauen zu Muslimen verloren“, erklärt die geschäftsführende Vorsitzende des Menschenrechtszentrums Cottbus, Sylvia Wähling, die in den vergangenen 1,5 Jahren vier Mal in diese Region zu humanitären Zwecken reiste. Dabei führte sie zahlreiche Gespräche mit Gläubigen aller in Kurdistan vertretenen Religionen. Immer mehr Christen und Jesiden flüchten ins Ausland, weil sie endlich in Sicherheit, ohne Verlust und Schmerz, leben möchten. Es kann jedoch nicht das Ziel sein, dass der Irak und Kurdistan christen- und jesidenfrei werden. Die Menschen müssen wieder Vertrauen zueinander finden und den Weg des Zusammenlebens suchen, damit eines Tages wieder Frieden in der Region herrscht.

Angestrebt wird, dass Menschen aus verschiedenen Ländern am Marsch teilnehmen, die aus solchen Gruppen oder Ländern kommen, wobei in der Vergangenheit die eine Gruppe eine andere unterdrückt, verfolgt oder diskriminiert hat. Bereits jetzt hat der ehemalige Stadtpräsident der Stadt Oświęcim (Auschwitz), Janusz Marszałek, seine Teilnahme am Marsch zugesagt. „Gern beteilige ich mich an diesem Marsch, weil es für die Zukunft dieser sehr vom Krieg betroffenen Bevölkerung unwahrscheinlich wichtig ist zu wissen, dass nicht nur dort die Menschen schrecklich leiden mussten. Dafür stehen z.B. Bürger der Stadt Oświęcim, wo im 2. Weltkrieg, im schrecklichen KZ Auschwitz- Birkenau, Juden, Polen, Roma und Sinti, sowjetische Kriegsgefangene und Menschen aus vielen Religionen und Nationen gefoltert und umgebracht worden sind, jetzt gemeinsam im Frieden leben und zusammenarbeiten. Es lohnt sich, auch in Kurdistan so zu handeln, damit die Kinder und die kommenden Generationen nie wieder „Auschwitz“-Verhältnisse erleben müssen“, konstatiert Janusz Marszałek, der sich seit Jahren in seiner Stadt für die Errichtung eines internationalen Friedenszentrums einsetzt. Auch vier ehemalige politische Häftlinge des Zuchthauses Cottbus und Mitglieder des heute an gleicher Stelle geschaffenen Menschenrechtszentrums Cottbus beteiligen sich am Marsch. Sie möchten als einst zu Unrecht Inhaftierte und als heutige Miteigentümer ihres ehemaligen Gefängnisses zeigen, dass man die Hoffnung auf die Überwindung des Unrechts nicht aufgeben darf, aber an den Folgen des Unrechts aktiv arbeiten muss. In Kurdistan sollen sich unterwegs viele Menschen aus allen Religionen dem Marsch anschließen.

Jeder ist herzlich willkommen, am Marsch teilzunehmen!

Die Teilnehmer buchen und bezahlen ihren Flug nach Erbil selbst. Es wird pro Person und Tag eine Teilnahmegebühr in Höhe von 60 € erhoben, die die Vor-Ort-Kosten, wie Übernachtung in einfachen Verhältnissen, Verpflegung, Reiseleitung, Dolmetscher usw. abdeckt. Interessenten melden sich bitte an bei:

Menschenrechtszentrum Cottbus e.V., Sylvia Wähling, Bautzener Straße 140, D-03050 Cottbussylvia.waehling [at] menschenrechtszentrum-cottbus.de (sylvia.waehling(at)menschenrechtszentrum-cottbus.de), Tel: 0049-355-290133-0

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