Die Frist ist abgelaufen!

Erklärung des pax christi-Präsidenten Bischof em. Algermissen anlässlich des 73. Jahrestages der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki

pax christi - Pressemitteilung - 2. August 2018 - Auch 73 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki 1945 besteht das Risiko eines erneuten Einsatzes dieser am meisten zerstörerischen und willkürlichen Waffen, die je geschaffen wurden. Das Bulletin of the Atomic Scientists hat die “Weltuntergangsuhr” im Januar auf zwei Minuten vor Zwölf gestellt. Die Forscher begründen ihre Entscheidung mit den Spannungen zwischen atomar bewaffneten Staaten und dem erhöhten Risiko eines Einsatzes von Atomwaffen.

Nachdrücklich warnt Papst Franziskus immer wieder, die Menschheit stehe am Beginn des dritten Weltkriegs und müsse alles tun, um die Eskalation in einen Nuklearkrieg zu vermeiden. "Die Welt riskiert den Selbstmord!", betonte der Papst gegenüber den Organisatoren der Nuklear-Konferenz im Vatikan im November 2017.

Der katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff erklärte auf einer Tagung des „Zentrums für ethische Bildung in den Streitkräften“ am 7. Juni 2018 in Berlin, dass die Entwicklung von Atomwaffen aus einem schwerwiegenden Irrtum heraus beschlossen wurde und in der Rückschau moralisch nicht zu rechtfertigen sei. So war die zeitlich befristete Hinnahme der Abschreckung an die Forderung einer vollständigen Abrüstung der atomaren Waffen gebunden, wozu sich die Atomwaffenstaaten im Atomwaffensperrvertrag seit 50 Jahren eigentlich verpflichtet haben.

Die Staatenpraxis sieht jedoch ganz anders aus: Die Atommächte modernisieren ihre Arsenale und rüsten weiter auf, ohne Absprachen über eine wirksame Reduzierung von Nuklearwaffen miteinander zu treffen. Indes wurde ein bestehender Vertrag mit dem Iran vom amerikanischen Präsidenten einseitig aufgekündigt.

Papst Franziskus hat daraufhin erklärt, er halte neben dem Einsatz auch die Drohung und den Besitz von Kernwaffen für moralisch nicht vertretbar.

Der Atomwaffensperrvertrag steckt in einer tiefen Krise, da die seinerzeit 1968 geforderten Abrüstungsverhandlungen durch die offiziellen Atommächte nicht realisiert werden. Die große Mehrheit der Staaten dieser Erde, die eine atomwaffenfreie Welt so schnell wie möglich wollen, haben durch den von der UN am 7. Juli 2017 beschlossenen Atomwaffenverbotsvertrag Bewegung in diese Stagnation gebracht. Sie erklären Atomwaffen für illegitim, unmoralisch und auch illegal.

Die US-amerikanische Friedensnobelpreisträgerin Jody Williams hat bei der Vatikan-Nuklear-Konferenz im November 2017 in Rom ihre kritische Haltung gegenüber der eigenen Regierung formuliert: "Wenn ich an Terror denke, dann denke ich nicht nur an Gruppen wie den IS, sondern auch an neun Staaten, die den Rest der Welt - mehr als sieben Milliarden Menschen - mit der Möglichkeit einer atomaren Katastrophe bedrohen. Das ist für mich ebenfalls Terror. Welche Moral hat eine Gesellschaft, die die Herstellung solcher Waffen erlaubt? Welche Werte hat eine Wirtschaft, die Milliarden in solche Waffen investiert und zugleich Millionen von Menschen verhungern lässt? Wie können wir so etwas rechtfertigen?"

Die Frist für eine Rechtfertigung dieses Verhaltens ist abgelaufen.

Die pax christi-Bewegung erinnert mit ihrem Engagement gegen Atomwaffen auch an die Forderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils in seiner Pastoralkonstitution Gaudium et Spes (1965) in Nr. 80: „Jede Kriegshandlung, die auf die Vernichtung ganzer Städte oder weiter Gebiete und ihrer Bevölkerung… abstellt, ist ein Verbrechen gegen Gott und gegen den Menschen, das fest und entschieden zu verwerfen ist.“

Dass wir uns an solchen Wahnsinn nicht gleichgültig gewöhnen, muss die Sache aller sein, die den Frieden Christi in diese Welt zu vermitteln bereit sind.

Auf Deutschland bezogen fordern wir, dass die Bundesregierung ein Zeichen setzt, dem Atomwaffenverbotsvertrag beitritt und sich für ein Ende der Abschreckung und aller Atomwaffen profiliert einsetzt.