Gemeinsam für Afrika fordert Umdenken in Flüchtlingspolitik

Pressemitteilung - Gemeinsam für Afrika - Berlin, 13.02.2015 - Angesichts der weiteren Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer, bei der offenbar über 330 Menschen ums Leben gekommen sind, appelliert das Kampagnenbündnis Gemeinsam für Afrika erneut für ein Umdenken in der deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik.

Die Abschottung und Verriegelung der Grenzen verletzen massiv die Menschenrechte. "Es ist eine Schande, wenn Menschen auf der Flucht sterben! Niemand verlässt seine Familie, seine Freunde und seine Heimat ohne triftige Gründe. Fast immer sind Menschenrechtsverletzungen die Ursache der Flucht.", betont Susanne Anger, Sprecherin von Gemeinsam für Afrika. Sie fordert: "Wir dürfen Menschen, die diesen Schritt wagen, nicht im Stich lassen. Jeder Mensch hat das Recht auf Auswanderung und Asyl, wenn er aus politischen, religiösen oder sonstigen Gründen verfolgt wird. Eine gemeinsame europäische Mission zur Seenotrettung wäre der erste Schritt in die richtige Richtung."

Mehr als 400 Menschen in vier Schlauchbooten sind diese Woche auf dem Weg von Libyen nach Italien in Seenot geraten. Die meisten von ihnen werden noch vermisst, 29 Menschen sind am Montag erfroren. Die Geflüchteten stammten aus Ländern Afrikas südlich der Sahara.

Um weitere Bootsunglücke zu verhindern, muss dringend eine gemeinsame europäische Mission zur Seenotrettung gegründet werden, nachdem im Oktober 2014 die italienische Seenotrettungsaktion "Mare Nostrum" beendet wurde. Die momentan laufende europäische "Triton-Mission", ausgeführt von Frontex, konzentriert sich vor allem auf den Grenzschutz und ist unzureichend ausgestattet.

Da Flüchtlingen aus afrikanischen Ländern eine legale Einreise nach Europa meist nicht möglich ist, bleibt ihnen oft nur der gefährliche Weg über das Mittelmeer. 2014 wagten laut Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mindestens 218.000 Flüchtlinge und Migranten die Überfahrt, mehr als 3.400 Menschen kamen dabei ums Leben. Seit dem Jahr 2000 sind laut einer Erhebung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mehr als 22.000 Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa umgekommen, die meisten von ihnen auf dem Mittelmeer.

Gemeinsam für Afrika fordert, die Ursachen von Flucht ernst zu nehmen und tragfähige Lösungen zu suchen. Um Perspektiven für die Menschen zu schaffen, müssen die Menschenrechte geachtet, langfristig wirksame Entwicklungszusammenarbeit ausgebaut und unfaire Handelsstrukturen beseitigt werden. Das Bündnis Gemeinsam für Afrika macht mit Kampagnenarbeit auf die Ursachen von Flucht aufmerksam und fordert mehr Solidarität gegenüber Flüchtlingen.

Entwicklungszusammenarbeit, wie sie von den Hilfsorganisationen von Gemeinsam für Afrika Tag für Tag in tausenden Projekten geleistet wird, bekämpft Armut und lindert Not, um so zu wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen beizutragen, in denen Flucht nicht notwendig wird. Mit der konkreten Hilfe vor Ort tragen die Organisationen dazu bei, dass die Menschen in ihrem Heimatland Chancen erhalten und diese positiv für sich und ihre Gesellschaft nutzen können.

 

Gemeinsam für Afrika ist ein Bündnis von über 20 Hilfsorganisationen, das der deutschen Öffentlichkeit ein neues und differenziertes Bild von Afrika vermitteln möchte und mit seiner Schulkampagne Schulen - Gemeinsam für Afrika die Auseinandersetzung von Schülerinnen und Schülern mit der Vielfalt und den Chancen Afrikas fördert. Schirmherr der Kampagne ist Bundespräsident Joachim Gauck. Mehr Informationen unter www.gemeinsam-fuer-afrika.de.