Aufrüstung im Nahen und Mittleren Osten sowie in Asien

Globaler Militarisierungsindex 2013 des BICC

Der Globale Militarisierungsindex (GMI) 2013 weist nach, dass der Nahe und Mittlere Osten weiterhin die am höchsten militarisierte Region der Welt ist. Die Experten des BICC (Internationales Konversionszentrum Bonn) verweisen darüber hinaus auf die starken Tendenzen zu regionaler Aufrüstung auch in Fernost.

 

Zu den Top 10 des GMI gehören mit Israel, Syrien, Jordanien und Kuwait vier Länder des Nahen und Mittleren Ostens. Dies spiegelt die hohe Militarisierung dieser konfliktreichen Region wider. Hinzu kommt, dass mit Ausnahme Katars auch alle anderen Staaten dort immerhin unter den Top 40 rangieren. „Diese hohe Militarisierung trägt zusammen mit der allgemeinen Aufrüstung durch Rüstungsimporte aus aller Welt zur weiteren Destabilisierung der Region bei und kann dazu führen, dass sowohl innere als auch äußere Konflikte, wie beispielsweise in Syrien, gewaltsam ausgetragen werden“, kommentiert Jan Grebe, Forscher am BICC, die Ergebnisse des GMI.

 

In den TOP 10 behaupten aber auch einige europäische Staaten wie Russland und Zypern ihre Positionen. Zyperns Stammplatz in der Spitzengruppe geht vor allem auf den seit Jahrzehnten ungelösten Konflikt zwischen der griechischen und der türkischen Bevölkerungsgruppe auf der Insel zurück. Während Aserbaidschan schon in den Vorjahren hoch platziert war, ist Armenien dieses Jahr neu hinzugekommen. (Seit 2013 werden für Armenien auch Reservisten erfasst, weshalb das Land im Vergleich zu zurückliegenden Jahren deutlicher höher platziert ist.) Der forcierte Aufbau militärischer Kapazitäten im Kaukasus steht im Zeichen einer hitzigen diplomatischen Rhetorik zwischen beiden Ländern. So besteht die Gefahr eines militärischen Wiederaufflackerns des langjährigen Konflikts um Nagorny Karabach.

 

Mit Singapur und Südkorea gehören auch zwei asiatische Staaten zu den zehn höchst militarisierten Ländern der Welt. Die Platzierung des kleinsten Staates Asiens, Singapur, ist der Spezifik seiner Sicherheitsstrategie der „Total Defence“ zuzuschreiben. Südkoreas Militarisierung hingegen steht im Zusammenhang mit dem Bedrohungsszenario durch Nordkorea, über dessen vermutlich extrem hohen Militarisierungsgrad keine verlässlichen Daten vorliegen.

 

Regionale Aufrüstung im Blickpunkt: Naher und Mittlerer Osten

„Ein genauerer Blick in den GMI belegt, dass nirgendwo in der Welt wird so massiv aufgerüstet wie im Nahen und Mittleren Osten“, erläutert Jan Grebe. Israel (GMI: Platz 1) sowie die arabischen Staaten Syrien (GMI: Platz 5), Jordanien (GMI: Platz 6), Kuwait (GMI: Platz 10), Oman (GMI: Platz 11) und Saudi-Arabien (GMI: Platz 13) gehören zu den am stärksten militarisierten Ländern der Region. Die hohe Militarisierung zeigt sich unter anderem am Verhältnis der Militärausgaben zum Bruttoinlandsprodukt, das in einigen Staaten der Region deutlich über sieben Prozent und damit weit über dem weltweiten Durchschnitt von etwa 2,5 Prozent liegt (zum Vergleich: In Deutschland beträgt das Verhältnis etwa 1,4 Prozent).

 

Die Militärausgaben im Nahen und Mittleren Osten weisen eine deutliche Aufwärtskurve auf. 2012 lagen sie bei 128 Milliarden US-Dollar, während es im Jahr 2000 noch 80 Milliarden US-Dollar waren – immerhin eine Steigerung von 60 Prozent.

 

Militarisierung in Asien und Ozeanien

Die zunehmende Militarisierung in der Region vollzieht sich vor dem Hintergrund einer Vielzahl ungelöster Territorialkonflikte, gegenseitiger Sicherheitsbedrohungen und Rivalitäten zwischen einzelnen Staaten. Zwar bewegen sich die Militärausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsproduktbei den meisten Staaten häufig auf einem moderaten Niveau, in absoluten Zahlen sind die Militärausgaben zuletzt aber stark angestiegen. Zusammen kam der Kontinent 2012 auf 382 Milliarden US-Dollar, während es im Jahr 2000 noch 202 Milliarden US-Dollar waren. Dies bedeutet eine Steigerung von 89 Prozent.

„Damit einhergehend forcieren viele Staaten ihre Rüstungsbeschaffungen, was sich insbesondere bei der Modernisierung und dem Ausbau der Seestreitkräfte zeigt“, erläutert Jan Grebe.

 

Weitere Informationen zum GMI

GMI (verschiedene Datensätze und interaktive Weltkarte)

http://www.bicc.de/old-site/

 

GMI Ranking Table

http://www.bicc.de/old-site/index.php?page=ranking-table

 

GMI Daten 2013 update (pdf, Deutsch)

http://www.bicc.de/old-site/uploads/pdf/GMI_Daten_2013_d.pdf

 

GMI Weltkarte 2013 (pdf, Englisch)

http://www.bicc.de/old-site/uploads/pdf/gmi-map-2013.pdf

 

Der Globale Militarisierungsindex (GMI) bildet das relative Gewicht und die Bedeutung des Militärapparats eines Staates im Verhältnis zur Gesellschaft als Ganzes ab. Der GMI erfasst dazu mehrere Indikatoren, um den Grad der Militarisierung eines Landes darzustellen:

 

    Militärausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) und der medizinischen Versorgung (Anteil am BIP);

    Verhältnis von (para)militärischem Personal, Reservisten und Ärzten zur Gesamtbevölkerung;

    Anzahl der schweren Waffensysteme im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung.

 

Der GMI 2013 basiert auf Daten des Jahres 2012 (d.h. den aktuellsten vorliegenden Zahlen) und umfasst 149 Staaten. Er stützt sich u.a. auf Zahlen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI, des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltgesundheitsorganisation (WHO), des International Institute for Strategic Studies (IISS) und eigenen Erhebungen des BICC. Das Ranking zeigt die Militarisierung von 161 Staaten seit 1990. Er wird jährlich durch das BICC aktualisiert. Der GMI des BICC wird durch das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

 

Das BICC befasst sich als unabhängige, gemeinnützige Organisation mit globalen Themen der Friedens- und Konfliktforschung, in deren Zentrum Konversionsstudien stehen. Es wurde 1994 mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) als gemeinnützige GmbH gegründet und wird seitdem vom Land gefördert. Der Global “Go-To Think Tanks”-Report der University of Pennsylvania  2012 zählt das BICC (Internationales Konversionszentrum Bonn) in zwei Kategorien zu den führenden Think Tanks weltweit.