Bericht über die menschliche Entwicklung 2016: "Menschliche Entwicklung für Alle"

Ungleiche Verteilung der Fortschritte bei der menschlichen Entwicklung lässt Millionen von Menschen zurück

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN) - Presseunformation - 27.03.2017 - Auf einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN) ist heute der neu erschienene Bericht über die menschliche Entwicklung 2016 des UN-Entwicklungs-programms (UNDP) durch Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, und Selim Jahan, Direktor des Büros für den Bericht über die menschliche Entwicklung bei UNDP in New York, in Berlin vorgestellt worden.

Zentrale Botschaft des Berichts ist, dass weiterhin Millionen von Menschen nicht von den weltweit großen, Regionen übergreifenden Erfolgen bei der menschlichen Entwicklung profitieren. So sind in den letzten 25 Jahren zwar 1 Milliarde Menschen aus der extremen Armut herausgekommen, diese positiven Entwicklungen erreichen aber nicht alle Gruppen in der Gesellschaft und lassen insbesondere die besonders Bedürftigen zurück.

„Niemanden zurücklassen“: Systematische Benachteiligungen beenden

Silberhorn stellte fest: „Seit Erscheinen des ersten Berichts 1990 können wir weltweit erhebliche Fortschritte verzeichnen. Doch sie sind ungleich verteilt: Frauen stehen in allen Regionen schlechter da als Männer. Alle sind gefordert, diese Kluft zu schließen. Denn dort, wo Frauen Zugang zu Bildung, Eigentum und Finanzen haben, geht die Entwicklung eines Landes deutlich schneller voran.“ Der Bericht legt dar, dass es häufig systematische Benachteiligungen sind, die Frauen ebenso wie andere Gruppen von Fortschritt ausschließen. Diese Entwicklungs-hemmnisse sind demnach nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch politischer, sozialer und kultureller Natur.

Laut dem Bericht sind es darüber hinaus insbesondere indigene Bevölkerungen, Menschen in ländlichen Gebieten, ethnische Minderheiten, Mitglieder der LGBTI-Gemeinschaft, Migrantinnen und Migranten sowie Flüchtlinge, die besonders oft von Fortschritten ausgeschlossen bleiben. „Wir legen zu viel Aufmerksamkeit auf nationale Durchschnittswerte, die oft enorme Variationen in den Lebenswirklichkeiten der Menschen verdecken”, kritisierte Jahan. Dennoch glaubt er, dass universelle menschliche Entwicklung möglich ist: „Über die vergangenen Jahrzehnte haben wir Erfolge in der menschlichen Entwicklung erlebt, die einst als unmöglich galten.” Dafür muss nun in Einklang mit der UN-Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung und ihrem Leitsatz „Niemanden zurücklassen“ ein Fokus auf diejenigen gelegt werden, die am weitesten zurückgeblieben sind.

Index der menschlichen Entwicklung: Norwegen ist Spitzenreiter, Deutschland landet auf Platz 4

Zusammen mit dem Bericht wurde auch der neue Index über die menschliche Entwicklung (Human Development Index, HDI) vorgestellt, welcher das Level der menschlichen Entwicklung anhand von Bildung, Lebenserwartung und dem Lebensstandard erfasst. Auf dem Spitzenplatz landet wie schon im Vorjahr Norwegen. Deutschland verbessert sich um zwei Plätze und belegt Platz 4. Doch wie der die Ungleichheit einbeziehende Index der menschlichen Entwicklung zeigt, bei dem Deutschland zwei Plätze schlechter abschneidet, gibt es auch in Deutschland ein Gefälle bei der Verteilung menschlicher Entwicklung. Am niedrigsten war die menschliche Entwicklung bei der Erhebung in der Zentralafrikanischen Republik.

Hungersnot am Horn von Afrika „ein Skandal“

Gerade afrikanische Länder befinden sich unter den Staaten, die von Erfolgen bei der menschlichen Entwicklung wenig profitiert haben. Dies verdeutlicht auch die derzeitige Hungersnot am Horn von Afrika. Silberhorn bezeichnete es als Skandal, „dass derzeit Millionen Menschen am Horn von Afrika hungern müssen“ Er sagte: „Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit verstärkt ihr Engagement für die Menschen in Not. Doch es müssen die Verantwortlichen vor Ort auch für Frieden und Sicherheit sorgen, damit ein Leben in Würde möglich ist.“

Download der von der DGVN herausgegebenen deutschsprachigen Kurzfassung