Grenzen der Demokratie / Frontiers of Democracy

CfP für den 27. Wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW)

Ausschreibung von Vorträgen im Rahmen des Panels "Vertreibung durch Entwicklung? Demokratie und Rechenschaftspflicht in der Entwicklungspolitik". Organisiert von Felix Anderl (Universität Frankfurt) und Aram Ziai (Universität Kassel).

Diskutantin: Eva Gerharz (Beyreuth/Bochum)
Unterstützt von der Sektion Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik

Untersuchungen der Weltbank zeigen, dass jedes Jahr ca. 10 Millionen Menschen ihr Zuhause und ihre Existenzgrundlage durch Umsiedlungsmaßnahmen verlieren, welche von Entwicklungsprojekten verursacht wurden. Da das Ziel von Entwicklungsprojekten in der Regel eine Verbesserung der Lebensverhältnisse von Menschen in "weniger entwickelten" Ländern ist, scheint dieses Ergebnis unerwartet und nährt die Vorwürfe radikaler Entwicklungskritiker und der Post-Development-Ansätze, die ein autoritäres Element in Diskurs und Praxis der "Entwicklung" diagnostizieren. Vor Allem deutet es aber auf die Dysfunktionalität in der Rechenschaftspflicht von Entwicklungszusammenarbeit hin. Ein funktionales Rechenschaftssystem sollte zur Demokratisierung dieser Institutionen beitragen und unerwünschte Nebeneffekte wie die massenhafte Vertreibung ansässiger Menschen eigentlich verhindern können. Obwohl die großen Entwicklungsinstitutionen längst umfangreiche Rechenschafts-Mechanismen eingeführt haben, scheinen diese nur sehr zögerlich zu greifen. Die Weltbank hat beispielsweise ihr "Inspection Panel" bereits 1994 eingeführt, jedoch ist es bis heute nur für eine verschwindend kleine Minderheit ihrer Projekte zuständig. Seitdem ist eine große Zahl weiterer Mechanismen zur Rechenschaftspflicht auf multilateraler Ebene eingeführt worden und diese werden mittlerweile auch auf bilateraler Ebene der Entwicklungshilfe diskutiert. Diese institutionelle Veränderung steht im Kontrast zur Kontinuität in der Entwicklungspraxis. Woran liegt das? Welche Faktoren erschweren die Demokratisierung der Global Governance in diesem Bereich? Liegen hier institutionelle Pathologien vor, oder ist das Problem bereits in der Entwicklungslogik angelegt? Die Beiträge des Panels diskutieren empirische Fälle institutioneller Rechenschaftsmechanismen in der Entwicklungspolitik und ihrer Anwendung in Entwicklungsprojekten. Gemeinsam nähern sie sich der Frage, ob das Rechenschaftssystem einer Reform bedarf (und wenn ja welcher), oder ob die utilitaristische Entwicklungslogik der Institutionen ihre eigenen Rechenschaftspflichten notwendigerweise unterläuft.

Vorschläge per Email an: anderl(at)soz.uni-frankfurt.de und ziai [at] uni-kassel.de
Einsendeschluss ist der 31.01.2018.