„Bühne der Wahrheit“ - Gerechtigkeit und Versöhnung durch Wahrheitskommissionen und Strafgerichte

Seminar am Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung
Veranstaltungstyp: 
Fortbildungen und Trainings

Nach Gewaltkonflikten stehen Staaten und Gesellschaften vor der schwierigen Aufgabe, wie mit dem begangenen Unrecht umzugehen ist: Wie können die gesellschaftlichen Gräben und die tiefen Gewaltprägungen überwunden werden, so dass eine langfristig friedensfähige Gesellschaft auf einem gerechten Fundament entstehen kann? In vielen Ländern gab es in jüngster Zeit national und international gesteuerte Aufarbeitungsprozesse durch Wahrheitskommissionen und Strafverfolgung. Sie konnten, wie wir aufzeigen und diskutieren möchten, in unterschiedlichem Maße zu Gerechtigkeit, Wahrheit und Versöhnung beitragen.

Einen Königsweg im Umgang mit der belasteten Vergangenheit gibt es nicht. Aufarbeitungsprozesse sind von langfristiger Natur und jede Gesellschaft muss dabei ihren eigenen Weg finden. Es ist ein stetiges Ausbalancieren von unterschiedlichen Interessen, ein nicht immer geradlinig verlaufender Weg. Wie viel Aufarbeitung verträgt eine Gesellschaft, wann ist dazu der richtige Zeitpunkt? Wie lässt sich den Forderungen der Opfer nach Gerechtigkeit entsprechen, wie Täter wieder in die Gesellschaft integrieren? Aus den Erfahrungen anderer Gesellschaften lässt sich zwar lernen, aber Maßnahmen lassen sich nicht einfach übertragen. Vielmehr gilt es, die jeweiligen gesellschaftlichen und kulturellen Kontexte zu beachten und vor allem die Ausgestaltung der Versöhnungsprozesse in der Verantwortung der Gesellschaften zu belassen. Zugleich ist es eine wichtige Errungenschaft, dass heute die strafrechtliche Verfolgung schwerer Menschenrechtsverbrechen als Norm der Staatengemeinschaft festgeschrieben und über sie einzufordern ist. Amnestien und Amnesien finden heute als extrem täterbezogene Maßnahmen Ächtung, und Opfer von Gewaltanwendungen werden in ihrem Anliegen durch das Recht auf Wahrheit und Reparationen gestärkt.
Gerechtigkeit und Versöhnung sind zwei Seiten einer Medaille, und beiden wohnt das Element der Wahrheitsfindung inne: Strafprozesse allein können gesellschaftliche Wunden nicht gänzlich heilen, Versöhnung kann ohne eine Übernahme der Verantwortung der Täter und einer Bereitschaft der Opfer nicht stattfinden.

Anhand ihrer Arbeitserfahrungen stellen die Seminarleiterinnen verschiedene  Aufarbeitungsprozesse in Nachkriegsgesellschaften vor. Die Auswirkungen auf die Konfliktbearbeitung werden beleuchtet und die Teilnehmenden dabei aktiv in den Informations- und Erfahrungsaustausch einbezogen. An Hand von partizipativen Methoden lernen die Teilnehmenden Möglichkeiten kennen, mit denen sie sich unterschiedliche Zugänge im Umgang mit der Vergangenheit erschließen können.

Mehr Informationen und Anmeldung

Veranstaltungsort
Name: 
Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung
Straße: 
Sebastianstr. 21
Ort: 
10179 Berlin
Termin
von: 
Freitag, 3. Juli 2015 - 17:00
bis: 
Sonntag, 5. Juli 2015 - 15:00
Anmeldekontakt: 
Birgit Guth, guth(at)bildungswerk-boell.de