Expräsident Taylor verurteilt - ein Meilenstein gegen sexualisierte Kriegsverbrechen?

Veranstaltung des Gunda Werner Instituts in Berlin
Veranstaltungstyp: 
Vorträge und Abendveranstaltungen

Am 26. April 2012 wurde Charles Ghankay Taylor, Ex-Präsident von Liberia, durch das UN-Sondergericht von Sierra Leone in elf Anklagepunkten schuldig gesprochen. Die Verurteilung listet Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen auf, darunter ausdrücklich sexualisierte Gewalttaten, namentlich Vergewaltigung und sexuelle Versklavung. Mit Charles Taylor wird somit erstmals ein ehemalige Staatschef und Warlord für die von Rebellentruppen ausgeübten Verbrechen zur Verantwortung gezogen. Dies gilt als Erfolg und Meilenstein im Kampf gegen die bisherige Praxis internationaler Strafgerichte, sexualisierte Kriegsverbrechen, von denen besonders Frauen und Mädchen betroffen sind, straflos zu lassen einerseits, als Stärkung der internationalen Strafgerichtsbarkeit andererseits. Das UN-Sondertribunal zu Sierra Leone in Den Haag verurteilte zum ersten Mal in der internationalen Justizgeschichte ein afrikanisches Staatsoberhaupt wegen solcher Kriegsverbrechen.

 

Die öffentliche Podiumsdiskussion möchte die Bedingungen und Voraussetzungen des Prozesses beleuchten, die es ermöglicht haben, dass Charles Taylor als Verantwortlicher u.a. für sexualisierte Kriegsverbrechen verurteilt wurde. Voraussetzungen der Anklageerhebung, Verfahrensverlauf sowie Umgang mit Opfern und/oder Zeug_innen sollen in diesem Kontext thematisiert werden.

 

Weiterführend stellt sich die Frage, welche Bedeutung und Tragweite  die Verurteilung von Charles Taylor für den Versöhnungsprozess und ein langfristiges, friedliches Zusammenleben in Sierra Leone und Liberia hat. Dabei gilt es zu diskutieren, welche spezifischen Anforderungen sich insbesondere an einen umfassenden Aufarbeitungsprozess von sexualisierter Kriegsgewalt und genderspezifischer Kriegsführung stellen. Welche weiteren Initiativen im Sinne eines Transitional Justice- Ansatzes  wurden in Sierra Leone und Liberia vorgenommen? Welche Ansätze gilt es als zukunftsweisend einzufordern?

Veranstalter: 
Gunda-Werner-Institut der Heinrich Böll Stiftung
Referenten: 
Katharine Orlovsky (Legal Officer of Women's Initiative for Gender Justice, Niederlande); Ibrahim Tommy (Executive Director of the Center for Accountability and Rule of Law, Sierra Leone); Moderation: Barbara Unger (Berghof Stiftung)
Termin
von: 
Mittwoch, 4. Juli 2012 - 19:00
bis: 
Mittwoch, 4. Juli 2012 - 21:30