Journalistische Arbeit in Syrien

Ein Gespräch mit Rula Asad und Amer Mattar. Veranstaltung der Heinrich Böll Stiftung in Berlin
Veranstaltungstyp: 
Vorträge und Abendveranstaltungen

Die Bilder sind im Gedächtnis: In Syrien gehen seit über einem Jahr tausende Menschen auf die Straßen, um Bürgerrechte und Demokratie einzufordern. Die Protestbewegung wurde lange vorwiegend von der syrischen Jugend getragen, die, beflügelt von den Umbrüchen in Tunesien und Ägypten, die jahrzehntelange Herrschaft des Baath-Regimes herausfordert. Der Widerstand gegen Baschar al-Assad hat sich, ausgehend von Deraa und der ländlichen Peripherie, rasch über das ganze Land und in dessen urbane Zentren Homs, Hama und Lattakia sowie in die Vororte von Damaskus ausgebreitet - anders als im sogenannten "Damaszener Frühling" 2001, der mit der Verhaftung prominenter Aktivisten geendet hatte.

 

Auch das weiß die Welt: Das Regime geht mit Heckenschützen und Panzern gegen die Demonstranten vor. Schätzungen zufolge liegt die Zahl der zivilen Opfer bei ca. 10 000. Die Opposition zeigt sich gespalten, und ein Teil der lange friedlich agierenden Protestbewegung hat inzwischen zu den Waffen gegriffen. Durch die Interessen regionaler und internationaler Akteure hat sich die syrische Revolution zu einem geopolitischen Konflikt entwickelt. Doch woher stammen die Informationen?

 

Syrien hat es verstanden, sich recht erfolgreich gegen eine freie Berichterstattung zu wappnen. Bereits vor den Protesten gab es keine Pressefreiheit: Auch wenn es mit der Zulassung privater Medien vorsichtige Öffnungstendenzen gegeben hat, kontrollierte der Sicherheitsdienst nach wie vor die Informationen im Land. Internationalen Medien wird kaum Zugang gewährt, und seit dem Tod der britischen Journalistin Marie Colvin sowie zweier weiterer europäischer Kollegen gilt die Berichterstattung aus Syrien als gefährlicher Job. Lokale Berichterstatter müssen zudem mit Inhaftierung und Folter rechnen. Die meisten Informationen werden von Aktivisten bereit gestellt. Die Oppositionsbewegung setzt auf die neuen Medien wie Facebook, YouTube und Blogs. Die Bilder flimmern in Echtzeit über die Bildschirme der Welt - doch was ist wirklich zu sehen? Beide Seiten schieben sich gegenseitig Verantwortung und Schuld für veröffentlichte Gräueltaten zu, objektive Beobachter, wie es die Medienwelt gewohnt ist, sind rar.

 

Über diese besondere Entwicklung in der Berichterstattung sprechen diejenigen miteinander, die tatsächlich vor Ort gewesen sind: Rula Asad und Amer Matter, junge syrische Journalisten und Aktivisten für ein demokratisches Syrien, beide exiliert und derzeit als Stipendiat/innen im Heinrich-Böll-Haus in Langenbroich, und Marcel Mettelsiefen, der als Fotograf für ZEIT und SPIEGEL in Bab Amr war.
Es moderiert Layla Al-Zubaidi, langjährige Büroleiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in der Region.

Referenten: 
Rula Asad, Journalistin aus Damaskus/Syrien und Amer Mattar, Journalist aus Damaskus/Syrien, beide derzeit Langenbroich/Deutschland, Marcel Mettelsiefen, Fotojournalist (angfr.)
Termin
von: 
Dienstag, 5. Juni 2012 - 19:00
bis: 
Dienstag, 5. Juni 2012 - 21:00