(K)ein Frühling für Frauen? Politische Umbrüche und sexuelle Gewalt: Beispiele aus den arabischen Transformationsländern

Internationale Konferenz von Heinrich-Böll-Stiftung und Amica e.V. in Berlin
Veranstaltungstyp: 
Fachtagungen und Konferenzen

Der Einsatz von sexualisierter Gewalt als Waffe in politischen Umbruchsituationen ist ein globales Problem, das seit dem Krieg in Jugoslawien zunehmend internationale Aufmerksamkeit erfahren hat, aber nach wie vor eher als „Nebenprodukt“ von Konflikten eingestuft wird. Die Bandbreite der Gewalt ist groß und reicht von Nötigung und Einschüchterung bis hin zu Massenvergewaltigungen und sexueller Versklavung. Ziel von sexualisierter Gewalt ist die Demoralisierung des Gegners durch die Zerstörung der familiären und kulturellen Grundlage der Gemeinschaft. Frauen und Mädchen sind in besonderem Maße gefährdet für sexualisierte Gewalt, aber auch Männer und Jungen können betroffen sein. Als Voraussetzung dieser speziellen Form von Gewalt wird heute eine massive strukturelle Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen im Frieden gesehen, die sich in Krisenzeiten in sexualisierten Gewaltausbrüchen entlädt, bzw. gezielt für diese benutzt wird.

 

Frauen sind aber zugleich aktive Gestalterinnen politischen Wandels. Dies zeigt sich auch in den Transformationsprozessen in den arabischen Ländern, wo Frauen unverzichtbare Akteurinnen in Revolutionen und politischen Konflikten sind. In den Transformationsländern stehen viele drängende politische und strukturelle Reformen an; zunehmend bestimmen auch Aushandlungsprozesse zwischen islamistischen und säkularen Kräften und Fragen der Geschlechterdemokratie die politischen Debatten in diesen Ländern. Die Art und Weise, wie Frauen und insbesondere von sexualisierter Gewalt Betroffene am demokratischen Wandel und am Wiederaufbau beteiligt sind, ist für einen stabilen und dauerhaften Frieden entscheidend.

 

Bei der Konferenz steht  neben einer Bestandsaufnahme der Erkenntnisse zum globalen Phänomen der sexualisierten Gewalt besonders der Austausch zwischen Praktiker/innen im Vordergrund. Erfahrungen aus dem Balkan und dem Nordkaukasus werden ebenso mit einbezogen wie die Frage nach der Perspektive der internationalen Akteure. Dabei stellen sich folgende Fragen:  Welche Ansätze zur Vergangenheitsbewältigung, zur Aufarbeitung von Kriegsverbrechen und zur Versöhnung gibt es? Wie gelingt es Frauen, sich in Friedens- und Transformationsprozesse zu integrieren? Wie verändern sich Geschlechterrollen im Spannungsfeld zwischen traditionellen Werten und gesellschaftlichen Veränderungen? Wie kann eine Sensibilisierung für die vielfältigen Problemlagen der von sexualisierter Gewalt betroffenen Menschen gelingen?

 

Veranstaltungsflyer

Veranstalter: 
in Kooperation mit Amica e.V., Freiburg
Referenten: 
Patricia Sellers, Legal Advisor for Gender und Anklägerin bei den internationalen Tribunalen zu Ruanda und Ex-Jugoslawien (ICTY und ICTR); Elvan Isikozlu, Researcher Bonn International Center for Conversion, Deutschland; Lauren Wolfe, Journalistin und Direktorin Women Under Siege, New York, US; Dr. Mariz Tadros, Research Fellow Institute for Development Studies Sussex, UK; Jamilia Falag, Stellv. Ministerin für Kultur und Zivilgesellschaft, Libyen
Förderhinweise
mit finanzieller Förderung des Auswärtigen Amts und des Instituts für Auslandsbeziehungen
Termin
von: 
Mittwoch, 11. Dezember 2013 - 16:00
bis: 
Donnerstag, 12. Dezember 2013 - 18:30
Kosten: 
Der Eintritt ist frei.