Die lokale Perspektive – entscheidend für die Analyse?

Veranstaltung der Projektgruppe Zivile Konfliktbearbeitung Rhein Main in Mainz
Veranstaltungstyp: 
Vorträge und Abendveranstaltungen

Mit Konfliktanalysen werden Ursachen und Strukturen von Konflikten untersucht. Sie bilden somit die Grundlagen für den Handlungsrahmen der nachfolgenden Konfliktbearbeitungen. So gesehen sind nicht nur die konkreten Maßnahmen und Initiativen zur Konfliktbearbeitung, sondern schon die jeweils zugrunde liegende Analyse eine Intervention von außen, die Auswirkungen auf den Konflikt und sein Umfeld haben können. Derartige Interventionen sind keine neutralen, objektiven Deutungen eines Konflikts. Vielmehr werden sie auch durch die Individualität der Analyst/-innen und durch die zugrunde liegenden Denkmuster und Weltsichten geprägt.

Die Grundannahmen und theoretischen Verortungen spiegeln zudem ein oftmals westlich geprägtes Wissenschafts- und Konfliktverständnis wider. Im Bereich der Konfliktprävention und Konfliktbearbeitung wird in letzter Zeit ein sogenannter »local turn« als Hinwendung zum Lokalen als Bestandteil von Peacebuilding diskutiert und praktiziert. Auch in der Konfliktanalyse sind ein stärkerer Einbezug lokaler und kultureller Zusammenhänge und eine Reflexion von spezifischen, kulturellen Denkmustern notwendig. Wissen ist immer auch von den jeweiligen kulturellen, historischen und ideologischen Kontexten geprägt. Auch wissenschaftstheoretische Positionen können als »wissenschaftliche Weltbilder« im Sinne westlich-kultureller und historisch in die europäische Ideengeschichte eingebetteter Wissenssysteme betrachtet werden, die unsere Wahrnehmungen und unsere Erkenntnisse der Welt prägen.

Melanie Hussak betrachtet in ihrem einleitenden Vortrag einige Konfliktanalysen vor dem Hintergrund der jeweils zugrunde liegenden Weltsicht einer Gesellschaft. Anhand zweier Fallbeispiele aus dem nordamerikanischen und afrikanischen Kontext zeigt die Referentin, dass Methode, Auswahl von Konfliktmerkmalen und -charakteristika sowie Ergebnis einer Konfliktanalyse in einem hohen Maße kulturell und durch den gesellschaftlichen Rahmen geprägt sind. Was also tun, um zu sachgerechteren Ergebnissen zu gelangen? Melanie Hussak schlägt vor, lokale Komponenten in Konfliktanalysen zu berücksichtigen. Dafür stellt sie einen theoretischen Rahmen für Konfliktanalysen vor und zeigt so, wie bedeutsam dieser Ansatz für die Friedens- und Konfliktforschung und besonders für die Praxis der Konfliktbearbeitung sein kann.

Mehr Informationen

Veranstalter: 
Projektgruppe Zivile Konfliktbearbeitung Rhein Main
Veranstaltungsort
Name: 
Landeszentrale für politische Bildung in Mainz
Straße: 
Am Kronberger Hof 6
Termin
von: 
Freitag, 15. September 2017 - 16:00
bis: 
Freitag, 15. September 2017 - 19:00